Alto contrasto
Bei der Analyse der Handelsbeziehungen zwischen Südtirol und dem Rest der Welt wird meist die Rolle der Ausfuhren ins Ausland hervorgehoben. Eine vom WIFO – Institut für Wirtschaftsforschung der Handelskammer Bozen durchgeführte Umfrage unter Südtirols Unternehmen zeigt jedoch, dass Italien (ohne Südtirol) für die Südtiroler Unternehmen der wichtigste Absatzmarkt außerhalb der Landesgrenzen ist und mehr als ein Fünftel des Gesamtumsatzes ausmacht.
Die Handelsbeziehungen zwischen Südtirol und dem Rest der Welt werden in der Regel anhand von Exportdaten gemessen. Diese Daten weisen jedoch zwei große Einschränkungen auf: Erstens beschreiben sie nur Warenströme und lassen Handelsbeziehungen im Zusammenhang mit dem Verkauf von Dienstleistungen oder immateriellen Gütern sowie dem Bauwesen außer Acht. Zweitens lassen sie keine Rückschlüsse auf den Handel zwischen Südtirol und anderen italienischen Provinzen zu.
Italien wichtigster Absatzmarkt
Um diesen Informationsmangel zu schließen, hat das WIFO im Rahmen der Konjunkturumfrage „Wirtschaftsbarometer” die Unternehmen nach der geografischen Aufteilung ihrer Umsätze gefragt. Die Ergebnisse zeigen, dass die Südtiroler Unternehmen 22 Prozent ihres Umsatzes auf dem italienischen Markt (ohne Südtirol) erzielen und damit mehr als im Ausland (16 Prozent). Der italienische Markt ist insbesondere für die landwirtschaftlichen Genossenschaften und den Großhandel von großer Bedeutung, spielt aber auch für den Transportsektor, das Verarbeitende Gewerbe und viele Dienstleistungsbranchen eine wichtige Rolle. Im Baugewerbe und im Einzelhandel hat er hingegen eine eher marginale Relevanz.
Interregionale Exporte
Für Wirtschaftssektoren, die sich mit der Produktion und dem Handel von Gütern befassen, wie die landwirtschaftlichen Genossenschaften, das Verarbeitende Gewerbe und der Großhandel, lässt sich die Bedeutung des italienischen Marktes auch durch den Vergleich zwischen den Ausfuhren in andere italienische Provinzen („interregionale Exporte“) und den Exporten ins Ausland verdeutlichen.
Nach Schätzungen des WIFO beliefen sich die interregionalen Exporte dieser drei Sektoren im Jahr 2023 auf 8,7 Milliarden Euro, im Vergleich zu 7,2 Milliarden Euro an Südtiroler Exporten ins Ausland. Schlüsselt man die interregionalen Exporte weiter auf, so gehen 60 Prozent der Ausfuhren nach Italien in andere Regionen des Nordostens. Dabei stellt das Trentino mit einem Anteil von 36 Prozent das wichtigste Zielgebiet dar. Mehr als ein Fünftel des Absatzes entfällt auf die Regionen Nordwestitaliens, insbesondere auf die Lombardei mit einem Anteil von 15 Prozent. Mittel- und Süditalien spielen mit Anteilen unter zehn Prozent eine geringere Rolle.
Zuverlässige Partner
Im Rahmen der Umfrage wurden die Südtiroler Unternehmen außerdem gebeten, verschiedene Aspekte des italienischen Marktes zu bewerten. Im Allgemeinen beurteilen sie die Zuverlässigkeit der Kund/innen und Geschäftspartner sowie die Pünktlichkeit der Zahlungen positiv, während sie den Wettbewerbsdruck und die Kaufkraft der italienischen Kundschaft etwas kritischer sehen.
Hürden beim Markteintritt
Nach Ansicht der befragten Unternehmen sind die größten Hindernisse für den Eintritt oder die Expansion ihrer Geschäftstätigkeit auf dem italienischen Markt die geografische Entfernung, die Unmöglichkeit einer weiteren Ausweitung der Produktion – oft aufgrund von Personalmangel – und das Fehlen von Kontakten zu Partnern oder Handelsvermittlern in Italien.
Lieferanten der Handelsunternehmen
Schließlich wurden die Groß- und Einzelhandelsunternehmen gefragt, woher sie die Produkte beziehen, die sie weiterverkaufen. Fast die Hälfte der von den Einzelhandelsunternehmen gekauften Produkte stammt aus Italien (ohne Südtirol), 28 Prozent der Waren werden aus dem Ausland importiert und 26 Prozent in Südtirol bezogen. Auch die Großhändler beziehen ein Viertel ihrer Waren aus Südtirol; etwa ein Drittel der Produkte kommen von Lieferanten aus dem übrigen Italien und der größte Anteil, nämlich 41 Prozent, wird aus dem Ausland importiert.
Kostenloser Download
Der WIFO-Kurzbericht 1.26 „Der italienische Markt für Südtiroler Unternehmen“ steht zum Download bereit.